DFB-Chef Niersbach fehlt bei Versammlung

Nach wie vor hüllt sich der stark angeschlagene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach immer noch in Schweigen. Nach der Steuer-Razzia vom Dienstag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes sowie auf den Privatanwesen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger gab es weder schlüssige Erklärungen zur Affäre um die WM 2006 und erst recht nicht zu seiner Zukunft beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) von dem 64-Jährigen.

Auch auf einer spontan einberufenen Mitarbeiterversammlung in der Verbandszentrale, in der Generalsekretär Helmut Sandrock die Beschäftigten über die jüngsten Entwicklungen informierte, fehlte Niersbach. Es stellt sich angesichts der Geschehnisse rund um die ominöse 6,7-Millionen-Euro-Zahlung im Vorfeld der WM 2016 die Frage, ob und wie lange Niersbach noch im Amt bleibt.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ drohen dem DFB-Präsidenten, dem damaligen DFB-Boss Theo Zwanziger und dem früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt neben einer möglichen Anklageerhebung wegen Steuerhinterziehung zudem auch noch Schadenersatzforderungen in Millionen-Höhe. Nachträglich fällige Steuern in Höhe von 2,2 Millionen Euro zuzüglich Zinsen seit 2006 sind denkbar und könnten auf die damaligen Verantwortlichen zukommen.

Weiter berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass Ermittlungen gegen Niersbach laufen, weil dieser jene Steuererklärung im Oktober 2007 unterschrieben hatte, in der die noch ungeklärte Zahlung von 6,7 Millionen Euro erfasst wurde.

An der Basis gibt es sowohl Zustimmung wie auch Kritik. Auch eine Rücktrittsforderung gibt es bisher nicht. Während die einen Niersbach für unschuldig halten, da er etwa im Organisationskomitee für die WM 2006 nur für Medien und Marketing zuständig war, meinen andere Stimmen, dass man, wenn die Kenntnisse über Unregelmäßigkeiten bereits vor einem guten Jahr vorgelegen haben, schon viel früher mit einer Aufklärung hätte beginnen müssen.

Für Niersbach scheint es aktuell keine Option zu sein, sein Amt vorerst ruhen zu lassen, obwohl die Staatsanwaltschaft „wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall“ ermittelt und in diesem Zuge auch neben dem Verbandssitz in Frankfurt die Häuser von Niersbach, Zwanziger und dem langjährigen DFB-Generalsekretärs Schmidt durchsucht hat.

Bereits seit Wochen steht die Rückzahlung jener ominösen 6,7 Millionen Euro an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfu im Zentrum des gesamten Skandals. Das deutsche WM-Organisationskomitee 2005 hatte diese bewusst falsch als Beitrag zu einer FIFA-Gala getarnt.

Ilka Janssen

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