NSU-Prozess: Zschäpe will endlich aussagen

Bereits zweieinhalb Jahre läuft der sogenannte NSU-Prozess schon. Die Hauptangeklagte, Beate Zschäpe, die bislang immer eisern geschwiegen, will jetzt aussagen. Damit will sich Zschäpe über den Rat ihrer Verteidiger hinwegsetzen.

Die Taten, um die es in diesem NSU-Prozess in München geht, sollen in einem Zeitraum von zehn Jahren zwischen 1997 und 2007 begangen worden sein. Aber auch die Zeit vor der ersten Tat, als sich die Terrorgruppe erst gebildet hatte, spielt vor Gericht eine Rolle. Letztlich geht es um zehn Morde, mehr als ein Dutzend Raubüberfälle und drei Anschläge.

Bereits seit 242 Verhandlungstagen sitzt Zschäpe im Oberlandesgericht München und schweigt. Die Öffentlichkeit diskutiert bereits seit Prozessbeginn über die Frage, ob Zschäpe nicht moralisch verpflichtet sei auszusagen. Sie könnte schließlich die vielen Ungereimtheiten, mit denen sich die Ermittler vergeblich abmühen, wahrscheinlich problemlos aufklären.

Im Juni diesen Jahres teilte Zschäpe dem Oberlandesgericht mit, es bestünde Streit zwischen ihr und ihren Verteidigern über die Strategie des Schweigens. Ihrer Aussage zufolge, beschäftige sie sich „durchaus mit dem Gedanken“, etwas auszusagen, doch ihre Verteidiger hätten ihr ganz deutlich gemacht, dass sie in diesem Fall ihr Mandat niederlegen würden. Nachdem der Streit zwischen Zschäpe und Sturm, Stahl und Heer eskaliert war, war Mathias Grasel im Juli als vierter Pflichtverteidiger bestellt worden.

Zschäpes Erklärung, die ihr Anwalt Grasel an diesem Mittwoch verlesen will, ist dem Vernehmen nach sehr lang. Die Erklärung soll Details zu einzelnen Taten enthalten, auch darüber, mit wem Zschäpe in den 13 Jahren des Untergrundlebens Kontakt hielt.

Sollte Beate Zschäpe ihr Wissen tatsächlich preisgeben, würde der Prozess noch viel länger dauern als bisher gedacht, denn das Gericht müsste dann überprüfen, ob das, was Zschäpe erklärt hat, auch komplett der Wahrheit entspricht. Ein Teil der Beweisaufnahme müsste zudem wiederholt werden. Die Prozessbeteiligten schätzten, dass das alles noch ein bis zwei Jahre dauern könnte.

Die maximalen Strafe für Zschäpe wäre lebenslange Haft plus Sicherungsverwahrung. Sie müsste dann damit rechnen, nie wieder in die Freiheit entlassen zu werden.

Ilka Janssen

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