Zschäpe enttäuscht mit Aussage

Nach zweieinhalbjährigem Schweigen hat Beate Zschäge am 249.Verhandlungstag endlich ihr Schweigen gebrochen. Ihr neuer und zugleich vierter Pflichtverteidiger, Mathias Grasel, verlas am Mittwoch eine 53-seitige Erklärung der Angeklagten im sogenannten NSU-Prozess.

Darin stellt Zschäpe sich lediglich als Mitläuferin dar und bestreitet sogar eine Mittäterschaft. Sie gibt an, nach den Taten zwar quasi alles gewusst, aber nichts davon gewollt zu haben. Laut ihrer Aussage habe sie von den insgesamt zehn Morden und von den beiden Bombenanschlägen immer erst nach den Taten erfahren und sei dann entsetzt und fassungslos gewesen. Gegen die Raubüberfälle habe sie hingegen wenig Einwände gehabt, da Zschäpe diese als einzige Möglichkeit gesehen habe, Geld zu beschaffen. Laut Zschäpes Aussage wurden die tödlichen Schüsse auf die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn nur abgegeben worden, weil es nur um die Waffen der Polizistin und ihres Kollegen gegangen sei.

Weiter lies sie über Grasel verlauten: „Mir wurde bewusst, dass ich mit zwei Männern zusammenlebte, denen ein Menschenleben nichts wert war.“ Sie lässt erklären, „dass ich mich weiter zu Böhnhardt hingezogen fühlte, keine Chance auf die Rückkehr in das bürgerliche Leben sah und mich deshalb meinem Schicksal ergab. Die beiden brauchten mich nicht, ich brauchte sie.“ Das Morden aber sei immer weitergegangen. „Ich war unglaublich enttäuscht, dass sie erneut gemordet hatten.“

Am Ende der Aussage lässt sie durch Grasel dann noch verlesen: „Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und Angehörigen von Opfern.“ Und: „Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte.“

Weiter teilt Gasel dann mit, dass Zschäpe die Nachfragen der Angehörigen der Opfer nicht beantworten werde. Das sei „schon wieder ein Schlag ins Gesicht“, so Gamze Kubasik, die Tochter des in Dortmund ermordeten Ismael Kubasik. Auch von den Anwälten der Opfer kommt scharfe Kritik. „Ich habe ihr heute kein Wort geglaubt“, sagt Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler. „Meine Mandantschaft wollte erfahren, warum ihre Väter, Ehemänner, Brüder sterben mussten. Davon hat Frau Zschäpe nichts gesagt.“ Und sein Kollege Stefan Lucas äußert: „Wenn das alles ist, was Frau Zschäpe uns zu sagen hatte, dann hätte sie besser gar nichts gesagt.“

Bei Zschäpes ursprünglichen drei Verteidigern, Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm, wurde ebenfalls Fassungslosigkeit deutlich. Sie wollten, dass Zschäpe schweigt. Nach deren Aussage kann man verstehen, warum die Drei das für die bessere Strategie hielten.

Am Ende kochte ein seit Langem schwelender Streit zwischen den vier Anwälten Zschäpes hoch. Grasel warf seinen Kollegen Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm vor, sie hätten sich ihrer Mandantin gegenüber „bewusst schädigend“ verhalten. Heer, Stahl und Sturm wiesen den Vorwurf jedoch umgehend zurück.

Zugleich verlangte Mathias Grasel auch, die Bestellung von Heer, Stahl und Sturm als Pflichtverteidiger Zschäpes zu widerrufen. Die „ordnungsgemäße Verteidigung“ Zschäpes sei „ernsthaft gefährdet“, so der vierte Pflichtverteidiger. Das Vertrauensverhältnis sei demnach „endgültig und nachhaltig erschüttert“.

Weiter betonte Grasel, seine drei Kollegen seien an der jetzigen Aussage Zschäpes nicht beteiligt gewesen. Dieses bestätigten Heer, Stahl und Sturm durch deutlich sichtbares und zustimmendes Nicken. Alle drei hatten hingegen immer wieder betont, sie hielten es für falsch, wenn Zschäpe im Prozess etwas sage.

Ilka Janssen

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