Aussage im NSU-Prozess

Im laufenden NSU-Prozess hat der wichtigste Angeklagte nach Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, am Mittwoch überraschend ausgesagt. Ihm wird vorgeworfen, die Waffe samt Schalldämpfer besorgt zu haben, mit denen der NSU neun Menschen ermordet habe. Bislang hatte Wohlleben in 250 Verhandlungstagen kein Wort gesprochen.

Knapp zwei Stunden lang zeichnete Wohlleben ein völlig anderes Bild von sich und dem NSU, als es die Anklageschrift tut. Zudem hat der Mitangeklagte auch eigens Bilder und ein Video mitgebracht, das er an den Wänden des Gerichtssaals abspielen lässt. Mit diesem will er deutlich machen, dass er kein Ausländerfeind ist, dass er aber gegen Gewalt ist.

In seiner selbst verlesenen Aussage behauptet der ehemalige NPD-Funktionär, immer gegen Gewalt gewesen zu sein. Zugleich bestritt er, die Mordwaffe für den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) beschafft zu haben. Er habe lediglich dabei „geholfen“, die Waffe zu beschaffen und Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe beim „Untertauchen“ unterstützt indem er etwa sein Auto zur Verfügung gestellt hatte. Den Vorwurf der Beihilfe zum Mord hat der wegen Beihilfe zum Mord Angeklagte ebenfalls zurückgewiesen. Zugleich bemühte er sich augenscheinlich auch darum, Zschäpe so unbeteiligt wie möglich erscheinen zu lassen.

Dem V-Mann Tino Brandt hingegen unterstellte Wohlleben, immer über den Aufenthaltsort von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos informiert gewesen zu sein. „Wenn man sie hätte finden wollen, wäre es durch Brandt möglich gewesen“, so Wohlleben.

Seine Aussage hat Wohlleben mit dem Satz: „Es ist mir unerklärlich, warum der Staat trotz lückenloser Überwachung und der Durchsetzung der Szene mit Spitzeln nicht fähig war, die drei aufzuspüren.“ geschlossen.

Ilka Janssen

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