Kindesmissbrauch in Kiel empört ganz Deutschland

Am vergangenen Sonntag ist ein siebenjähriges Mädchen in Kiel verschleppt und sexuell schwer missbraucht worden. Der mutmaßliche Täter, ein 30-jähriger Familienvater aus Kiel, konnte zwar schnell gefasst werden, es stellte sich jedoch heraus, dass dieser sich erst Anfang Januar an einer Fünfjährigen vergangenen haben soll. Der 30-Jährige hat selbst zwei kleine Söhne, die in den Kindergarten gehen, in dem das fünfjährige Mädchen missbraucht wurde.

Nun stehen die Kieler Behörden scharf in der Kritik. Denn, obwohl der Mann bereits nach dem ersten schockierenden Missbrauchsfall an dem fünfjährigen Mädchen unter Tatverdacht stand, sah die Staatsanwaltschaft keine rechtliche Grundlage für einen Strafbefehl. Anhaltspunkte für die Gefahr möglicher weiterer Straftaten habe es nicht gegeben, so Oberstaatsanwalt Axel Bieler.

Zudem erhebt nun auch die Mutter des Täters schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Die 50-Jährige gab an, überall um Hilfe gebeten zu haben, da sie bemerkt hätte, dass ihr Sohn psychisch krank sei. Dieser habe die Trennung von seiner Frau nicht verkraftet.

Nach Aussage von Bieler sei die Mutter von Polizisten zu einer möglichen Gefährdung befragt worden. „Dazu hat die Frau aber keine Angaben gemacht“. Zudem hätte das Kieler Zentrum für Integrative Psychiatrie (Zip) Kontakt mit der Mutter gehabt. „Wir sind nicht für psychisch kranke Menschen zuständig“, so der Oberstaatsanwalt weiter.

Die Stadt Kiel will jetzt die internen Abläufe in dem Fall prüfen. Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken räumte Versäumnisse der Behörden ein. Seiner Auffassung nach, hätten der sozialpsychiatrische Dienst, Polizei und Staatsanwaltschaft allesamt handeln können. Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska erklärte: „Aus Verantwortung gegenüber dem Mädchen, das Opfer dieser schrecklichen Tat wurde, wird in Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft gründlich geklärt, ob die in vielen Einzelfällen bewährten Verfahren in der Kooperation der unterschiedlichen Verantwortlichen noch verbessert werden können“.

Der Kindergarten, in dem die Fünfjährige missbraucht wurde, liegt in unmittelbarer Nähe der Schule, von dessen Schulhof der 30-jährige Täter die Siebenjährige verschleppt hat. Dessen Schulleiter Michael Breyer hat ebenfalls eine fehlende Information durch die Polizei kritisiert. Er meinte, alle wären wachsamer gewesen, wenn sie von dem ersten Vorfall in unmittelbarer Nachbarschaft gewusst hätten. Zudem hätten die Lehrer das Thema, nicht mit Unbekannten mitzugehen, im Unterricht auffrischen können.

Seit Dienstag sitzt der 30-Jährige wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen in Untersuchungshaft. Ein Gutachter soll nun klären, ob der Mann schuldfähig ist.

Ilka Janssen

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