Erbstreit bei Aldi Nord eskaliert

Jahrzehntelang äußerte sich Theo Albrecht junior gar nicht in der Öffentlichkeit. Nun sieht sich der älteste Sohn des Aldi-Nord-Gründers Theo Albrecht dazu gezwungen, sich im Kampf um das Vermächtnis seines verstorbenen Bruders Berthold zu äußern.

Verschwiegenheit und Diskretion gehörten bei den Aldis bislang immer zu den Grundtugenden. Nun hat 65-Jährige dem „Handelsblatt“ jedoch ein ausführliches Interview gegeben. Dabei kamen der schwelende Erbstreit mit der Frau und den fünf erwachsenen Kindern seines 2012 verstorbenen Bruders Berthold sowie die Lage des Unternehmens zur Sprache.

Seine Schwägerin Babette versuche mit allen Mitteln, ihren Einfluss innerhalb des Unternehmens zu vergrößern und schrecke dabei auch nicht vor falschen Behauptungen zurück, so Theo Albrecht junior. Zugleich betonte der Milliardär: „Meine Schwägerin und ihre Kinder wollen nicht anerkennen, was Berthold in seinem Testament und in der Stiftungssatzung geregelt hat. Ich verteidige das Testament meines Bruders und die Satzung der Stiftung.“ Der Sinn der Stiftung sei es, das Unternehmen vor einem zu großen Einfluss der Familie zu schützen. „Dafür kämpfe ich.“

Auslöser des Streits ist ein erbitterter Kampf um Macht und Einfluss beim Discounter aus Essen. In dessen Kern stehen dabei drei Stiftungen, in denen Kapital, Stimmen und Anteile von Aldi Nord gebündelt sind. Bei Entscheidungen, etwa über die Modernisierung des Filialnetzes oder die weitere Expansion im Ausland, müssen alle Stiftungen den Plänen und vor allem den dafür notwendigen Auszahlungen zustimmen. „Keine Stiftung kann die andere überstimmen, und keine Stiftung kann allein handeln“, erklärte der 65-Jährige.

Babette Albrecht und ihre Kinder streben eine Änderung der Satzung der Jakobus-Stiftung, die gemeinsam mit zwei weiteren Stiftungen – der Markus- und der Lukas-Stiftung – 100 Prozent des Aldi-Nord-Kapitals hält, an. Ziel sei es nach Angaben von Theo Albrecht junior das Sagen zu übernehmen und damit auch die verbundenen Bezüge in Millionenhöhe. Der 65-Jährige betonte: „Es geht hier um die Zukunft des Unternehmens.“ In diesem Zug unterstellt er zugleich der Familie seines verstorbenen Bruders, sich selbst an erster Stelle zu sehen und nicht das Unternehmen wie es in der Vergangenheit stets der Fall war. Das Unternehmen sei auf das Kapital der Stiftungen angewiesen und alle drei Stiftungen müssten jeder Auszahlung zustimmen.

Gleichzeitig verweist der Albrecht-Erbe auf hohe Geldsummen, die sich Witwe Babette und ihre Kinder haben auszahlen lassen. Die Rede ist von mehr als 25 Millionen Euro netto – pro Jahr. Er selbst habe diese Summen angeboten. „Das war ein Vergleichsangebot“, erklärt Theo Albrecht junior. „Insbesondere auch, um die anstehenden Prozesse zu beenden und unser Unternehmen aus den Schlagzeilen herauszubringen.“ Zudem würden ihn auch die „teilweise peinlichen Auftritten“ seiner Schwägerin in der Öffentlichkeit stören, die „das Unternehmen in seiner Reputation gefährden“ können.

Babette Albrecht und ihre Kinder hatten vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig in erster Instanz die Chance auf mehr Einfluss erstritten. Dabei kippte das Gericht aus formalen Gründen eine Satzungsänderung aus dem Dezember 2010. Diese Änderung hätte Babette und den Kindern mehr Mitsprache bei der Besetzung des Stiftungsvorstands eingeräumt – und damit auch bei den Ausgaben der Stiftung. Weil Theo Albrecht junior Revision eingelegt hat, geht
der Fall jetzt vor das Oberverwaltungsgericht.

Ilka Janssen

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