Anzeige gegen Hausärztin des Todespiloten

Der Düsseldorfer Unternehmer Klaus Radner hat bei dem Germanwings-Absturz vor gut einem Jahr seine Tochter und seinen 18 Monate alten Enkelsohn verloren. Nun geht dieser Angehörige juristisch gegen die Hausärztin des Co-Piloten Andreas L. vor.

Nach Informationen der „Welt“ hat Radner Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gestellt. Bereits vor einigen Wochen hatte der Düsseldorfer den flugmedizinischen Dienst der Lufthansa und Verantwortliche des LBA angezeigt.

Der 61-Jährige macht der Ärztin den Vorwurf, weder den Arbeitgeber des Co-Piloten, die Lufthansa, noch das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) über die von ihr diagnostizierten seelischen Störungen informiert zu haben. Die ärztliche Schweigepflicht gelte in einem solchen Fall nicht mehr, argumentierte Radner in seiner Strafanzeige.

Nachdem d Düsseldorfer Unternehmer die französischen Ermittlungsakten eingesehen hatte, war er zu der Überzeugung gelangt, dass Andreas L. nach einer schon bekannten schweren Depression niemals hätte Pilot eines Verkehrsflugzeuges werden dürfen.

Eine im Jahr 2009 ausgestellte Sondergenehmigung der Fliegerärzte der Lufthansa sei ebenfalls rechtlich unzulässig gewesen. Zudem habe das LBA seine Aufsichtspflicht verletzt. Zwingend notwendige psychische Untersuchungen bei den weiteren Tauglichkeitsuntersuchungen habe es demnach nicht gegeben. „Hätten die Flugmediziner und Gutachter sich an das geltende Recht gehalten, hätte die Katastrophe nicht stattgefunden“, so Radner in der Strafanzeige.

Seit mindestens November 2014 war der Pilot Andreas L. bei der angezeigten Hausärztin in Behandlung. Aus der Strafanzeige von Radner geht hervor, dass diese bei L. eine Psychose und andere schwere seelische Beeinträchtigungen wie Angst- und Schlafstörungen diagnostiziert hatte.

„Durch Kenntnis des Pilotenberufs ihres Patienten ist mit dieser mehrmals ausgesprochenen psychischen Erkrankung die ärztliche Schweigepflicht nicht mehr gegeben“, steht in der Strafanzeige Radners. Aus diesem Grund sei die Ärztin mitverantwortlich am Tod aller Passagiere und der Crew des Germanwings-Flugs 4U9525.

Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft Düsseldorf diese Anzeige im Rahmen des dort anhängigen Todesermittlungsverfahrens im Fall des Germanwings-Absturzes. Über die Anzeige sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa der dpa: „Sie liegt vor und wird im Rahmen des Todesermittlungsverfahrens geprüft.“ Ob noch weitere Anzeigen von Angehörigen vorlägen, sei ihm nicht allerdings bekannt.

Zum Stand des Ermittlungsverfahrens erklärte Kumpa, dass die Übersetzungen der Unterlagen der französischen Ermittler inzwischen abgeschlossen seien. Momentan würden alle Unterlagen gescannt, damit in Kürze allen Berechtigten Akteneinsicht gewährt werden könne. Wann dieses genau sei, könne er jedoch nicht sagen.

Bei der Katastrophe in den französischen Alpen am 24. März 2015 waren alle 150 Insassen der Maschine getötet worden.

Ilka Janssen

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