Arrestbefehl gegen Vural Öger

Am heutigen Dienstag beginnt die Gläubigerversammlung des Touristik-Unternehmers Vural Öger. Nach Informationen von „Spiegel Online“ soll der Gründer von Öger Tours jedoch offenbar Vermögen beiseite geschafft haben.

Kurz vor der Insolvenz seiner eigenen Reiseunternehmen V.Ö. Travel (VÖT) und Öger Türk Tur (ÖTT) machte Öger Zusagen, beschwor die Zusammenarbeit, trickste und täuschte jedoch offenbar, als es eng wurde, bis er sich schließlich ganz entzog.

Am 30. Dezember 2015 meldete Öger für sein Unternehmen VÖT Insolvenz an. Am 4. Januar 2016 folgte dann die Pleite des anderen Unternehmenszweigs ÖTT, die Öger noch am Tag der Insolvenz in Fly Türk umbenannte. „Wir haben bei jeder Buchung Geld verloren. Der Markt für Türkei-Reisen ist total zusammengebrochen“, gab der Unternehmer an. Als Grund nannte er den Syrienkrieg und die unsichere Lage im arabischen Raum. „Die Menschen wollen nicht dort Urlaub machen, wo an den Stränden Tausende Flüchtlinge liegen“, fügte Öger hinzu.

Allerdings erzählte der Unternehmer dabei nicht, dass er mit seinem Pauschalurlaub-Unternehmen VÖT nur einen Bruchteil seines Geschäfts gemacht hat. Denn längst hatte sich der Touristik-Unternehmer mit ÖTT auf ein anderes – viel lukrativeres – Feld verlegt. Öger betreibt den sogenannten ethnischen Verkehr, bei dem in Deutschland lebende Türken regelmäßig in ihre Heimat fliegen.

Seit 2010 agierte Öger lediglich noch als Flugticketagentur. Dabei wurden Tickets von SunExpress ohne eigenes Risiko an über 1000 kleinere Reisebüros verkauft und dafür von SunExpress stattliche Provisionen kassiert – je nach Erfolg bis zu zehn Prozent.

Zwischen 2010 und 2015 soll Öger mit den Verkäufen der Tickets für SunExpress rund 350 Millionen Euro Umsatz gemacht haben. Seine Provision lag angeblich bei fast 40 Millionen Euro. Im September 2015 stockte dann jedoch die Geschäftsbeziehung. Denn Öger hatte über Monate nicht gezahlt. So waren Verbindlichkeiten in Höhe von rund 17 Millionen Euro aufgelaufen, die der Unternehmer allein SunExpress schuldete. Die pochte auf Zahlung, Öger beschwichtigte und vereinbarte eine Ratenzahlung über 30 Monate. Er sogar eine selbstschuldnerische Bürgschaft und haftete damit mit seinem Privatvermögen, wenn seine Firma ÖTT die Ratenzahlungen nicht leisten sollte.

Bereits im Spätsommer 2015 zeichnete sich allerdings schon ab, dass Ögers Firma die Raten entweder nicht zahlen konnte – oder nicht zahlen wollte. Im Januar, kurz nach der Insolvenz, ließ Öger seinem langjährigen Partner SunExpress durch seinen Anwalt mitteilen, dass er nicht mehr in der Lage sei, zu bezahlen.

In der Zwischenzeit soll Öger die Zeit genutzt haben, sein Privatvermögen trickreich zu minimieren. So verkaufte Öger seine Privatvilla in Hamburg an seinen langjährigen Buddy H.K. unter Wert, ein Grundstück an der Elbchaussee, sein 750 Quadratmeter großes Bürogebäude an seinen engen Geschäftsfreundes S.G. unter Wert, drei Immobilien im türkischen Bodrum an Buddy H.K. und zwei Haine für Zitrusfrüchte und Feigen, wieder an seinen Freund H.K., der diese für das 40-Fache an eine türkische Bank weiter veräußerte.

Darüber hinaus übertrug Öger Anteile seiner Investment- und Beteiligungsgesellschaft GmbH auf seinen Sohn, Anteile an der Öger Consulting GmbH an seinen Sohn und den Kumpel S.G., Anteile an der Öger and HK Yapi Taahhut Insaat Ticarte Limited Sirketi an Buddy H.K. sowie ein Olivenhain in Bodrum an seine Tochter. Dieser wurde etwas später für 260.000 Euro weiterverkauft.

Gläubiger können Häuser und Felder zumindest pfänden lassen, wenn sie nicht an ihr Geld kommen. Das scheint wohl auch der Grund für den Massenverkauf der Immobilien und Grundstücke sein. SunExpress ging jedoch erfolgreich gegen Öger vor. Auf Basis der von Öger unterzeichneten persönlichen Bürgschaft strengte das Joint Venture von Lufthansa und Türkish Airlines ein sogenanntes Urkundeverfahren an. Zusätzlich verfolgte SunExpress einen Arrestantrag, um den möglichen Zahlungsanspruch aus dem Gerichtsverfahren zu sichern.

Das Landgericht Frankfurt am Main erließ am 6. Mai daraufhin Arrestbefehl, eine Einschränkung über das persönliche Vermögen. Mit einem solchen Arrestbefehl soll sichergestellt werden, dass Gläubiger Zugriff auf Werte haben, die ihnen zustehen. Das Gericht entschied zudem auch, dass der Arrestgrund ebenfalls glaubhaft sei – sprich die kurzfristige Vermögensverschiebung durch Öger.

Dem Touristik-Unternehmer droht, dass alle seine schönen Deals mit Verwandtschaft und Freunden rückgängig gemacht werden – und damit zumindest ein Großteil der Werte in die Hände seiner Gläubiger fällt.

Ilka Janssen

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