Winnenden: Amokläufer soll Munition mit Vater gekauft haben

Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ unter Berufung auf polizeiliche Ermittlungsakten berichtet, soll der Amokläufer von Winnenden, Tim K., sieben Wochen vor seiner Tat die Munition zusammen mit seinem Vater erworben haben.

Demnach soll K. zunächst versucht haben, alleine an die 9-mm-Patronen zu kommen, wurde im Geschäft jedoch abgewiesen. Anschließend sollen Vater und Sohn gemeinsam 1.000 Schuss gekauft haben. Tim K. soll die Munition gezahlt haben und den Kauf damit begründet, dass er die Patronen seinen Vater nachträglich zum 50. Geburtstag schenken wolle. Die Mutter soll ausgesagt haben, dass sich der Vater sehr über die Fürsorglichkeit seines Sohnes gefreut habe, weil Tim K. schon seit mehreren Jahren keinem aus der Familie mehr mit einem Geschenk bedacht habe.

Zudem geht aus den Akten hervor, dass sich der Amokläufer Tage vor der Tat intensiv mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beschäftigt habe. So habe er Fotos der Anschläge gesammelt und Biografien der Attentäter studiert. Auch soll er sich mit Recherchen im Internet über Amokläufer wie Ernst August Wagner beschäftigt haben. Wagner hatte 1913 ein Blutbad angerichtet. Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, geht der psychiatrische Gutachter Reinmar du Bois davon aus, dass die Ego-Shooter-Spiele, mit denen sich Tim K. beschäftigte, großen Einfluss auf das spätere Tatgeschehen hatten. Du Bois teilt den Amoklauf in zwei Phasen auf. Zunächst habe Tim K. in Phase 1 seine „Counter Strike“-Erfahrungen in die Realität umgesetzt. Seine Anschließende Flucht mit der damit verbundenen Geiselnahme mit vorgehaltener Pistole ähnelt dem Gutachter zufolge „dem Handlungsschema aus ,Far Cry 2„. Am Ende seiner Tat könnte Tim K. wieder zurück „in der Realität“ angekommen sein und habe sich selbst getötet.

Tim K. hatte das Spiel „Far Cry 2“ 2008 von seiner Mutter zu Weihnachten bekommen. Therapeuten der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Weinsberg hatten dem „Spiegel“ zufolge während der Behandlung von Tim K. (ab Frühjahr 2008) den Eltern geraten, „das Spielen am PC beziehungsweise das Filmeschauen zu reduzieren„. Im Abschlussgespräch erklärten die Ärzte, dass sich Tim sehr viel mit Filmen beschäftigte, die ungeeignet für seine emotionale Reife seien und zu viel Gewalt beinhalten.

Frank

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